Scha(r)f auf Klima-Kommunen

06. Jul. 2020
Klimaschutz bleibt ein wichtiges Thema in hessischen Kommunen. Trotz Corona sind im zweiten Quartal 14 Gemeinden dem Klima-Kommunen-Netzwerk beigetreten.

Damit haben wir eine Schallmauer durchbrochen: Es engagieren sich jetzt deutlich mehr als die Hälfte aller hessischen Kommunen im Bündnis „Hessen aktiv“ für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel. Aber was heißt das eigentlich? 

Darüber sprachen wir mit LEA-Mitarbeiter Johannes Salzer. Die LEA betreut das Bündnis von fachlicher Seite aus und stellt es bei Kommunen vor, die noch nicht Klima-Kommunen sind. Salzer leitet das Themenfeld „Klimaschutz“.

Also, Johannes … was ist eigentlich eine Klima-Kommune?

Eine Klima-Kommune ist eine Stadt, eine Gemeinde oder ein Landkreis mit einem besonderen Engagement, was Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel anbelangt. Diese aktiven Kommunen sind Mitglied in dem Netzwerk der hessischen Klima-Kommunen.

Ist das eine hessenweite Aktion? Oder gibt es Klima-Kommunen auch in anderen Bundesländern?

In dem Fall ist das ein Programm aus Hessen.

Es gibt zwar auch ein internationales Klimabündnis, aber die Klima-Kommunen, von denen wir hier sprechen, sind Teil des hessischen Bündnisses.

LEA-Mitarbeiter Johannes Salzer – er leitet das Themenfeld „Klimaschutz“

Um es mal etwas flapsig auszudrücken: Was ist so besonders am hessischen Klima, dass es dort Klima-Kommunen gibt? Was macht solch eine Klima-Kommune aus?

Das Besondere ist, dass wir ein sehr großes Netzwerk haben in Hessen. Mittlerweile sind über die Hälfte der hessischen Kommunen mit dabei. In diesem Netzwerk besteht sehr viel Know-how: Darin sind sehr viele Menschen aktiv, die sich täglich in den Verwaltungen mit dem Klimaschutz und der Anpassung an den Klimawandel beschäftigen.

Die sich dann untereinander austauschen?

Genau. Das Netzwerk bietet einen wertvollen Erfahrungsschatz, den alle Mitglieder nutzen können. Es muss nicht jeder das Rad neu erfinden! Man kann erfolgreiche Projekte auch kopieren und nachahmen. Dabei bieten wir von der LEA Unterstützung.

„Die Mitglieder lernen voneinander und tauschen sich aus.“

Was gibt es für Aktionen bei den Klima-Kommunen? Welche Projekte stechen besonders hervor? Einige werden ja auch mit einem Preis ausgezeichnet.

Es wird alle zwei Jahre ein Preis verliehen. Der Wettbewerb heißt „So machen wir´s“. Man sieht dadurch auch, wie andere Kommunen Projekte umsetzen. Die Mitglieder lernen voneinander und tauschen sich aus: Was hat funktioniert? Was hat vielleicht nicht ganz so geklappt? Unsere Aufgabe ist es, solche Beispiele zu vermitteln und die Kommunen zu unterstützen.

Hast du eine Lieblingsaktion, die dich besonders begeistert hat?

Es gibt sehr viele Aktionen, ich tue mich schwer dabei, nur eine herauszugreifen. Aus der Broschüre, die wir im vergangenen Herbst veröffentlicht haben, habe ich zwei spannende Projekte herausgegriffen, die ich bemerkenswert finde.

Ich bin gespannt.

Brandaktuelles Thema: Rechenzentren. IT-Infrastruktur wird immer wichtiger und ein immer größerer Energieverbraucher. Die Stadt Fulda hat es geschafft, über eine geothermale Kühlung aus dem Erdreich den Energieverbrauch des Rechenzentrums um 150.000 kWh pro Jahr einzusparen, was einer Treibhausgaseinsparung von etwa 100 Tonnen CO2 entspricht.

Was ist das zweite Projekt, das du herausgesucht hast?

Das zweite Projekt ist aus dem Mobilitätsbereich, weil Mobilität eine wichtige Rolle spielt für den Klimaschutz. Es geht darin um E-CarSharing. Das ist etwas Besonderes: Carsharing kennt man vielerorts, aber das Ganze mit Elektrofahrzeugen umzusetzen, ist noch relativ neu.

Was vor allen Dingen an diesem Projekt spannend ist: Es wurde im ländlichen Raum – in Cölbe-Schönstadt – umgesetzt und nicht in einem Ballungsraum wie Frankfurt. Das Angebot wird gut angenommen, und einige Familien überlegen sich, ihr zweites Auto abzuschaffen und auf das E-Carsharing umzusteigen.

Gibt es auch ungewöhnliche Projekte?

Die gibt es tatsächlich: Wenn man auf dem Land lebt: Wie mäht man seine Obstbaumwiese?

Mit Schafen?

Das wäre auch eine Möglichkeit. Normalerweise natürlich mit einem Mäher. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es in Römershausen Sensenkurse „Mähen für den Hausgebrauch“. Dort kann man lernen, wie man eine Sense von Hand richtig anwendet.

Damit mäht man einerseits seine Wiese klimafreundlich, andererseits ist es umweltfreundlich, weil die Chance für Insekten und Kleintiere so deutlich höher ist, am Leben zu bleiben. Und man tut noch etwas für die eigene Fitness.

Das Gespräch führte Till Frommann.

In den nächsten Monaten werden wir spannende Projekte der Klima-Kommunen vorstellen und im LEA-Blog und auf unseren Social-Media-Angeboten präsentieren.

Hier die bisherigen Beiträge der Serie:

Scha(r)f auf Klima-Kommunen

Eine Geschichte über Märchenschlösser, Bunker aus dem Kalten Krieg und Bits und Bytes in ihrer Bereitstellung

Titelbild: Pixabay / David Mark