Eine Geschichte über Märchenschlösser, Bunker aus dem Kalten Krieg und Bits und Bytes in ihrer Bereitstellung

05. Jul. 2020
Vom romantischen Schloss in einen modernen High-Tech-Bunker: Das Rechenzentrum der Stadt Fulda hat nicht nur einen Ortswechsel hinter sich, sondern ist noch dazu moderner, innovativer und klimaschonender geworden, weil es geothermal gekühlt wird. Ein Beispiel dafür, was Klima-Kommunen auszeichnet!

Die LEA sprach mit Frank Volmer, dem Leiter des Gebäudemanagements der Stadt Fulda.

Sie hatten ein altes Rechenzentrum betrieben, das irgendwann nicht mehr ausreichte. Was war das Problem? Weshalb benötigten Sie ein neues?

Wir haben einen sehr hohen Gebäudebestand an historischen Objekten in Fulda, und die zentrale Verwaltung der Stadtverwaltung sitzt in einem barocken Schloss … 

… hübsch!

Frank Volmer, Leiter des Gebäudemanagements der Stadt Fulda

Frank Volmer, Leiter des Gebäudemanagements der Stadt Fulda
(Foto: Stadt Fulda)

In einem der Kellergewölbe hatte die IT-Abteilung vor Jahr und Tag eben dieses zentrale Rechenzentrum aufgebaut. Das hat die ersten Jahre natürlich gute Dienste geleistet, aber im Laufe der Zeit gab es immer mehr Softwareapplikationen und Systeme, die bedient werden mussten – das wuchs und wuchs, und irgendwann kam das in solch einem Kellergewölbe natürlich an seine Grenze.

Zudem handelt es sich dort um einen denkmalgeschützten Bereich, was Umbauten und Erweiterungen zusätzlich erschwert. Man kam schlicht und ergreifend an seine Kapazitätsgrenzen. Das Rechenzentrum war außerdem mit einer klassischen Kühlung versehen, die einen enorm hohen Stromverbrauch hatte. Das konnten wir so nicht mehr weiterbetreiben! Das alte Rechenzentrum hat beträchtliche Kosten verursacht, und das bei ganz schlechten Energiewerten.

Stadtschloss Fulda

Idyllisch: Das Stadtschloss in Fulda
(Foto: Stadt Fulda)

Klingt ja eigentlich ganz romantisch in so einem schönen Schloss! Jetzt haben Sie ein geothermal gekühltes Rechenzentrum aufgebaut. Was ist da der Vorteil?

Der Vorteil liegt auf der Hand: Geothermal bedeutet, dass wir die Ressource der Erdkälte beziehungsweise Erdwärme nutzen. Das ist ein Rohstoff, der unbegrenzt verfügbar ist – und der Kerngedanke unserer Überlegungen war: Wie bekommen wir eine umweltverträgliche Lösung hin, die uns Kosten, aber auch CO2 einspart?

Und warum sollte man nicht den Versuch wagen, mit Erdkälte solche Rechenzentren nachhaltig herunterzukühlen?

Was für Daten werden eigentlich in diesem Rechenzentrum verarbeitet? Und ist dieses Rechenzentrum sicher?

Es sind in erster Linie Daten aus allen Bereichen der Stadtverwaltung – vom Melderegister über digitale Bauakten bis hin zur Hard- und Software für den Unterricht an städtischen Schulen. Darunter sind auch sensible und persönlichkeitsbezogene Daten. Und da lautet die Frage ist ja auch immer: Wem vertraue ich die Daten an?

Wir haben uns gegen eine externe oder Cloud-Lösung entschieden, sondern dafür, die Daten in Eigenregie zu verwalten. Und dadurch, dass wir derzeit noch mehr Kapazität zur Verfügung haben, als wir selbst benötigen, können wir Serverleistungen an regionale Firmen vermieten – auch als eine Art Wirtschaftsförderung für die Region.

Und wo ist das Rechenzentrum untergekommen?

In einer alten Bunkeranlage, die wir so recycelt haben. Denn wir hatten neben dem in die Jahre gekommenen Rechenzentrum das Thema: Was machen wir mit einem Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges?

Das heißt: Von einem romantischen Schloss in eine graue Bunkeranlage?

Ein Bunker hat alle Grundvoraussetzungen, um eine besonders hohe Sicherheit zu gewährleisten: Er ist hochwassersicher, er ist sprengsicher, er liegt tief im Erdreich – die Grundvoraussetzungen sind also gegeben, die man an ein Rechenzentrum stellt.

Klima-Kommune zu sein ist eine tolle Sache, weil
man von den anderen Kommunen lernt.

Aber das war natürlich auch ein Riesenaufwand. Solch ein Bunker hat Stahlbetonwände, und allein die zahlreichen Kabeltrassen, die Sie da durchführen müssen! Das muss präzise geplant sein und mit Betonschneidemaschinen durchgeführt werden. Zudem steht nur eine geringe Deckenhöhen zur Verfügung.

Und was sparen Sie jetzt mit dem neuen Rechenzentrum im Vergleich zum alten?

Wir hatten angepeilt, 80 Prozent der ursprünglichen Stromkosten einzusparen. Das beziffert sich (je nachdem, wie man es rechnet) auf etwa 60.000 Euro pro Jahr. Man muss dazu sagen: Die Wirtschaftlichkeitsmodelle, die wir verwendeten, sind jetzt auch schon ein paar Jahre alt. Und gerade der Strompreis hat in den vergangenen Jahren nur eine Richtung gekannt: Alles ist immer teurer geworden. Das Thema CO2-Bepreisung war damals auch noch nicht berücksichtigt – was unsere Bilanz noch weiter verbessern dürfte.

Es war aber nicht der Hauptaspekt, Geld zu sparen – wichtig war uns, dass wir 150.000 kWh Strom pro Jahr einsparen, wenn das Rechenzentrum voll ausgelastet ist.

Stichwort Corona: Haben Sie gemerkt, dass das Rechenzentrum dadurch mehr beansprucht worden ist, weil mehr auf die Daten zugegriffen wurde?

Das spielt keine Rolle – wir arbeiten mit Citrix-Applikationen, und das heißt, dass es vollkommen unerheblich ist, wo man sitzt. Klar, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt haben in letzter Zeit von zuhause gearbeitet. Das hat aber geklappt: Alles läuft über die Server im Rechenzentrum, egal, ob der Zugriff vom Büro aus erfolgt oder von der Wohnung aus. 

Fulda ist eine Klima-Kommune. Was bringt Ihnen das eigentlich?

Schaltschrank im Rechenzentrum in Fulda

Ein Schaltschrank des Rechenzentrums (Foto: Stadt Fulda)

Klima-Kommune zu sein ist eine tolle Sache, weil man von den anderen Kommunen lernt [Link: Interview mit Johannes Salzer, dem Leiter des Themenfelds „Klimaschutz“ bei der LandesEnergieAgentur Hessen]. Es sind zahlreiche Projekte vorgestellt worden, und es gibt Bemühungen auf allen Ebenen der Kommunen, Energieeinsparungseffekte zu erzielen.

Andere Kommunen konzentrieren sich vielleicht auf Verkehrsprojekte, wieder andere haben verschiedene städtebaulichen Maßnahmen ergriffen, um nachhaltigere Lebensweisen zu fördern. Ich finde das hochinteressant. Man netzwerkt natürlich auch und lernt andere Akteure kennen und verknüpft sich mit ihnen.

Klima Kommunal 2019

Umweltministerin Priska Hinz bei dem Wettbewerb der Klima-Kommunen 2019.

(Foto: Stadt Fulda / Salome Roessler / lensandlight)

Was mir aufgefallen ist: Wir haben einen unglaublichen Zuspruch. Es werden immer mehr Kommunen, die sich diesem Verbund anschließen (https://blog.lea-hessen.de/scharf-auf-klima-kommunen/). Eine prima Aktion! Für uns hat es sich sehr gelohnt.

Außerdem haben wir einen Preis dafür erhalten …

… was war denn das für eine Auszeichnung?

Beim Wettbewerb der Klima-Kommunen waren wir 2019 Preisträger in der Kategorie Klimaschutz. Hessens Umweltministerin Priska Hinz hat den Preis überreicht – das war ein hochinteressanter Tag für uns!

Außerdem möchte ich an dieser Stelle auch nicht vergessen zu erwähnen, dass wir vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit einen Zuschuss für das Rechenzentrum erhalten haben.

 

Das Gespräch führte Till Frommann.

In den nächsten Monaten werden wir spannende Projekte der Klima-Kommunen vorstellen und im LEA-Blog und auf unseren Social-Media-Angeboten präsentieren.

Hier die bisherigen Beiträge der Serie:

Scha(r)f auf Klima-Kommunen

Eine Geschichte über Märchenschlösser, Bunker aus dem Kalten Krieg und Bits und Bytes in ihrer Bereitstellung