Teil einer Unternehmensbewegung sein – wie geht das?

Das Interview!
Glühlampe
22. Jan. 2020
Was abschrecken könnte, dieses Interview zu lesen: lange Worte wie beispielsweise Energieeffizienz-Netzwerke.

Wir hoffen, dass unsere Leserinnen und Leser (also Sie!) uns gewogen bleiben und interessiert nachlesen, wie dieses Gespräch mit Janika Collatz verlief. Sie ist bei der LandesEnergieAgentur Hessen für das Thema eben solcher Energieeffizienz-Netzwerke zuständig. Im Übrigen kann man diese auch mit EEN abkürzen.

Ein sehr langes Wort: Energieeffizienz-Netzwerke! Bei Scrabble würde man damit bestimmt viele Punkte bekommen. Was ist unter diesem Wortungetüm zu verstehen?

Deutsche Sprache, schwere Sprache! Aber auch schön, dass solche Worte auf Grund dieser verschachtelten Begriffe entstehen können.

Eigentlich sehr einfach zu verstehen: Ein Netzwerk ist in diesem Fall ein Zusammenschluss von Unternehmen. Und Energieeffizienz heißt, dass man für seine Prozesse oder Dienstleistungen weniger Energie verbraucht.

Dass man Energie einspart oder sie gezielter nutzt, zum Beispiel Energie aus Prozessen umwandelt, um sie danach in anderen Prozessen weiter nutzen zu können.

Und „Netzwerk“? Was heißt das genau? Wer schließt sich in diesen Netzwerken zusammen? Und was ist der Vorteil davon?

 

LEA-Mitarbeiterin Janika Collatz, zuständig für Energieeffizienz-Netzwerke und Start-ups Energie

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Entweder, ein Unternehmen entscheidet sich, dabei mitzumachen und wendet sich an andere Unternehmen, um solch ein Netzwerk zusammenzuschließen. Oder man wendet sich an uns, an die LandesEnergieAgentur Hessen (LEA), und wir leiten die Anfrage an sogenannte Netzwerkträgerorganisationen weiter.

Das sind Organisationen und Menschen, die sich dazu entschlossen haben, diese Netzwerkidee zu unterstützen – vor allen Dingen administrativ. Zum Beispiel sind das die Industrie- und Handelskammern (IHKs), Kommunen oder verschiedene Verbände. 

Wie viele Netzwerke gibt es in Hessen? Wie viele Firmen haben sich vernetzt?

In Hessen gibt es zwanzig offiziell gemeldete Netzwerke. Jedes Netzwerk besteht im Schnitt aus zehn Teilnehmern. Es sind also ungefähr 200 Unternehmen, die sich für solch einen Zusammenschluss entschieden haben.

Was passiert in diesen Netzwerken?

Das Hauptanliegen und das, was die Unternehmen immer wieder als positiv herausstellen, ist der Erfahrungsaustausch. Man sieht bei anderen Firmen, wie sie Energie sparen, da Betriebsrundgänge ein elementarer Bestandteil der Netzwerke sind. Das heißt: Man kann sein eigenes Unternehmen vorstellen, und man sieht bei anderen Firmen, wie Mitarbeiter in Sachen Energieeffizienz eingebunden werden.

 

Außerdem kann man von den Erfahrungen der anderen Teilnehmer profitieren: Welche Produkte haben sie gekauft? Welche LED-Lampen können die anderen empfehlen? Welche Anbieter sind gut? Welche Firmen machen einem ein gutes Beleuchtungskonzept? Man kann darauf aufbauen, was andere Unternehmen gelernt haben, damit man nicht den gleichen Fehler noch einmal macht – was sich letztendlich in den Kosten niederschlägt.

Der Austausch sollte mindestens zwei Jahre dauern, manche Netzwerke entscheiden sich sogar dafür, für vier Jahre zusammenzuarbeiten.

Wie kann man Teil solch eines Netzwerkes werden?

Ein guter Anlaufpunkt ist die LandesEnergieAgentur. Wir haben einen Überblick über alle offiziellen Netzwerke. Wir kennen deren Ansprechpartner und Profile. Wir können also einschätzen, wo das interessierte Unternehmen gut aufgehoben wäre und können es an das entsprechende Netzwerk weiterleiten.


Also wahrscheinlich der Ort, an dem sich das Netzwerk befindet?

Das ist ein großer Aspekt, aber auch der eigene Energieverbrauch. Es gibt Chemie- oder Pharmazieunternehmen, die standardmäßig einen sehr hohen Energieverbrauch haben, den, sagen wir, der Zeitungsladen nicht hat. Es gibt für unterschiedliche Belange unterschiedliche Netzwerke. Manche Netzwerke haben sich für spezielle Branchen zusammengeschlossen. In Hessen gibt es zum Beispiel ein Netzwerk nur für Immobilien- und Wohnungsbau-unternehmen.

Und es gibt tatsächlich Netzwerke für Zeitungsläden?
Es gibt in Wiesbaden, Frankfurt und Bad Homburg sogenannte Ökoprofitnetzwerke. Diese richten sich speziell auch an Handwerksbetriebe und kleinere Unternehmen. Dort gibt es einen Rundumschlag zu Nachhaltigkeitsthemen, die für Unternehmen wichtig sind. Dort sind zum Beispiel Bäckereien Mitglied, Druckunternehmen und Karosseriebauer.

Das Gespräch führte Till Frommann.

Haben wir Ihr Interesse geweckt, was EENs anbelangt? Fragen zum Thema beantwortet LEA-Mitarbeiterin Janika Collatz (Telefon: 611 95017-8663; E-Mail janika.collatz@lea-hessen.de).

Titelfoto: Anthony Indraus / Unsplash