Energie!

Das Interview!
Energie
07. Jul. 2020
Matthias von der Malsburg ist Themenfeldleiter bei der LandesEnergieAgentur (LEA) und zuständig für den Bereich „Energie“. Wir haben uns mit ihm über seine Passion zu Wasserstoffautos, den weiten Weg in Richtung der Klimaziele des Landes Hessen und die Angst vor Windkraftanlagen unterhalten.

Matthias, wie kann man eigentlich richtig viel Energie und damit richtig viel Geld sparen? Haben Sie Energiespartipps?

Erst einmal: Natürlich haben wir viele Energiespartipps. Wir, die LandesEnergieAgentur Hessen, bieten eine Reihe von Informationen zum Thema Energiesparen über verschiedene Kanäle. Die Webseite www.energiesparaktion.de wird von uns betreut und bietet ganz praktische Hinweise, wie Energie in verschiedenen Lebenslagen gespart werden kann.

Aber ganz grundsätzlich geht es darum, die Energie, die verbraucht wird, so effizient wie möglich zu verbrauchen. Die LandesEnergieAgentur unterstützt alle Interessierten dabei, auf andere Energiequellen umzusteigen und den Bürgern, Firmen und Institutionen Wege aufzuzeigen, wie sie Energie sparen können. Das beginnt klassisch im Eigenheim, wo man durch simple Maßnahmen viel Geld einsparen kann, die zum Teil auch öffentliche Träger fördern.

Matthias von der Malsburg

Matthias von der Malsburg, Leiter des Themenfelds „Energie“

Zum Beispiel?

Das fängt mit relativ einfachen Maßnahmen an, wie dem Einsatz effizienter Haushaltsgeräte oder dem Austausch von Glühbirnen hin zu LED-Birnen. Die großen Hebel liegen aber beim Wärmeverbrauch. 15% des gesamten Energie-Verbrauchs in Hessen wird für die Erzeugung von Wärme in Privathäusern verbraucht. Energiesparen beginnt dann zum Beispiel mit der Identifikation und dem Abdichten von undichten Stellen am Haus. Klassische Maßnahmen wie eine moderne Fensterisolierung sparen ebenfalls Geld.

Hier finden Sie online die Broschüre „Besonders sparsame Haushaltsgeräte“.

Broschüre: "Besonders sparsame Haushaltsgeräte"

Dann gibt es aufwändigere Schritte, die großes Sparpotenzial bieten wie zum Beispiel, das Dach zu dämmen oder die Heizung auszutauschen – Heizungen, die älter als 30 Jahre alt sind, sollten aus dem Verkehr gezogen werden, vor allen Dingen Ölheizungen. 

Man sollte nicht bis zum Jahr 2026 warten, eine Ölheizung auszutauschen, wie von der Bundesregierung eingeräumt, sondern gleich handeln und auf andere Energieträger umsteigen. Hier gibt es verschiedene Konzepte wie Wärmepumpen oder Brennstoffzellenheizungen, die den Verbrauch von traditionellen Energiequellen und damit den Ausstoß von CO2 wesentlich reduzieren. In Verbindung mit einem sanierten Gebäude kann dadurch dann deutlich Geld gespart werden. 

Wie hilft die LEA dabei? 

Wir sind ein Team mit vielen Spezialisten, die zu einem großen Teil aus verschiedenen technischen Bereich kommen. Unsere Expertinnen und Experten können Fragen beantworten, wie und welche Energie am effizientesten eingesetzt wird.

Es gibt wesentlich mehr Unterstützung und Informationen
als den meisten bekannt ist, vor allem auch durch das Land Hessen.

Wir beraten außerdem, was Fördermittel anbelangt: Wo bekomme ich welche Unterstützung, wenn ich Anträge ausfülle? An wen muss ich das adressieren? Und ganz banal: Wie formuliere ich das? Das sind Themen, bei denen wir helfen und unterstützen.

Außerdem beraten wir unter technologischen Gesichtspunkten: Welche Heizung ist zum Beispiel besonders energiesparend?

Das Wichtigste momentan ist aber, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger und Firmen informieren, was machbar ist und was gefördert wird. Es gibt wesentlich mehr Unterstützung und Informationen als den meisten bekannt ist, vor allem auch durch das Land Hessen. Jeder kann sich beteiligen! Über die die LEA-Website oder beim Wirtschaftsministerium und beim Umweltministerium kann man auf einen großen Pool an Informationen und Hilfestellungen zugreifen.

Das sind sicherlich kleine Puzzlestückchen, um die Klimaziele des Landes Hessen zu erreichen. Wie weit sind wir auf dem Weg dorthin?

Bei einigen Aspekten dieser großen Aufgabe haben wir bereits deutliche Fortschritte gemacht. Insgesamt stehen wir jedoch noch am Anfang. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch in Hessen lag 2018 insgesamt bei 9,3%, also auch beim Verkehr oder der Gebäudeenergie. Beim reinen Stromverbrauch waren es dagegen im Jahr 2018 bereits 22%.

Puzzle

Kleine Puzzlestückchen, um die Klimaziele des Landes Hessen zu erreichen
Foto: Pixabay / Pexels

Letzten Endes müssen alle einen Beitrag dazu leisten, damit das Land Hessen die gesteckten Klimaziele erreicht. 2050 soll Hessen weitestgehend co2-neutral sein – mit den Zwischenzielen, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 30% und bis zum Jahr 2025 um 40% gegenüber 1990 gesenkt zu haben.

Auch wenn die Stromerzeugung gute Fortschritte macht, stehen wir bei der Energieerzeugung als Ganzem noch sehr am Anfang, wenn man sich veranschaulicht, dass 78 Prozent der verbrauchten Energie im Moment noch aus klassischen Energieträgern kommen, also aus Benzin, Diesel, Kohle und Gas– vor allem im Verkehr und Wärmebereich.

Eine Herkules-Aufgabe, die wir alle zusammen angehen, um an die gesteckten Ziele heranzukommen!

Nicht jeder Mensch freut sich über Umweltschutzmaßnahmen.

Auch wenn viele Bürger den Übergang unterstützen und den Ausbau der Erneuerbaren Energieträger gibt es einige Sorgen bei Bürgern und Institutionen. Die LEA hat hier den Auftrag, sachlich zu informieren. Dazu haben wir mit Fachleuten „Faktenchecks“ zu verschiedenen Aspekten erstellt, wie z.B. dem Einfluss der Windenergie auf den Tourismus, was der Stand der Wissenschaft zum Infraschall ist oder wie jeder konkret mit PV-Modulen auf dem Dach beginnen kann [Aufzeichnung unseres Online-Seminars „Freiflächen-PV auf benachteiligten Flächen – Informationen und Erfahrungen aus Hessen“].

Diese Informationen stellen wir allen Bürgerinnen, Bürgern und Institutionen kostenfrei zur Verfügung. So bringen wir Licht in Bereiche, die im Moment von verschiedenen Akteuren vernebelt werden.

Windkraftanlagen schüren sicherlich Ängste?

Das ist im Moment sicherlich das führende Thema in der öffentlichen Wahrnehmung, wenn es um erneuerbare Energien geht. Der Windausbau ist aber unausweichlich – natürlich im Einklang mit naturschutzrechtlichen Prinzipien, denen wir in Hessen sehr verschworen sind. Bei einem Land wie unseren mit einer großen Waldfläche ist das absolut notwendig. Die Balance muss gefunden werden. Am Ende des Tages benötigen wir jedoch den Energieträger Wind. 

Windkraft ist nicht die einzige grüne Energiequelle. 

Neben der Windkraft hat die Solarenergie das größte Potenzial. Und ist auch längst noch nicht ausgereizt. Nur zehn Prozent des privaten Wohnbestandes ist mit Photovoltaikanlagen, die Strom erzeugen abgedeckt, bei gewerblichen Gebäuden sind es noch weniger.

Windkraftanlage

„Der Windausbau ist unausweichlich“

Und die Solarthermie, also die Erzeugung von Wärme, könnte ebenfalls noch weiter ausgebaut werden. 

Aktuell wird in Deutschland über Wasserstoff diskutiert. Ist Wasserstoff eine Lösung, um die Lücke bei den erneuerbaren Energien zu schließen?

Wasserstoff kann die Lücke sicherlich nicht schließen, da es zur Erzeugung von Wasserstoff sehr viel Energie braucht. Und wenn der Wasserstoff zum Klimaschutz beitragen soll, dann muss diese Energie aus erneuerbaren Quellen kommen. 

Aber Wasserstoff wird ein Baustein der Energiewende sein und einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des CO2-Ausstosses erbringen. 

Fährst du privat ein Wasserstoffauto? 

Ich bin regelmäßiger Nutzer des Wasserstoffautos vom Carsharing-Anbieter book-n-drive, und das macht mir wirklich Spaß! Meine Familie liebt dieses Auto – man fährt mit einem guten Gewissen.

Die Tankstellen werden immer weiter ausgebaut, der Radius wird immer mehr erweitert. 400 Kilometer kann man mit einer Ladung Wasserstoff vorankommen. Und damit schafft man es locker bis zur nächsten Tankstelle, egal ob Kassel, in Richtung Rheinland oder in den Süden.

Und was ist besser? Wasserstoff- oder Elektroautos?

Das Wasserstoffauto von Book&Drive

Das Wasserstoffauto von book-n-drive

Das kommt auf das Einsatzgebiet an. Wir werden beide Technologien benötigen, und vor allem ein vernetztes Mobilitätsverhalten. Das bedeutet: In der intelligenten Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsträger liegt der Schlüssel für klimafreundlichen Verkehr. 

Beim Auto wird es meines Erachtens darauf hinauslaufen, dass es von einer Monokultur zu einer funktional orientierteren Nutzung von Kraftstoffen kommen wird – zum Beispiel in der Stadt und für kurze Distanzen Elektromobilität inklusive einer hohen Ladeinfrastruktur. In solchen Fällen sind Elektrofahrzeuge sinnvoll. 

Für den Schwerlasttransport, den öffentlichen Nahverkehr oder Züge ist Wasserstoff wesentlich sinnvoller. Man kann nicht sagen, dass es eine Lösung für alles gibt. 

Ich bin der Überzeugung, dass es beide Technologien benötigt, vielleicht kommt letzten Endes sogar eine dritte – wer weiß? Beide Bereiche müssen weiterentwickelt werden.

Wie zuversichtlich bist du, dass wir die hessischen Klimaziele schaffen?

Ich bin zuversichtlich. Wir müssen diesen Weg jetzt aber konsequent gehen – und zwar Institutionen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger. Alle gemeinsam! Alle müssen schauen, was sie tun können, um einen Beitrag zu leisten. Das kann niemand auf den anderen abschieben, sondern jeder muss bei sich selbst beginnen. Das mag mühsam sein, und das ist auch für mich mühsam, aber es ist notwendig. 

Das Gespräch führte Till Frommann.

Titelbild: Pixabay / Prawny